Natron oder Waschsoda: der Unterschied und wofür du was nimmst

Natron oder Waschsoda: der Unterschied und wofür du was nimmst

Natron, Kaisernatron, Waschsoda, Backpulver. Vier Namen im selben Regal, und dahinter stecken nur zwei Stoffe. Wer zum falschen greift, putzt entweder umsonst oder ruiniert die Oberfläche.

Kurze Antwort

Natron und Kaisernatron sind dasselbe. Waschsoda ist ein anderer Stoff und rund tausendmal stärker.

Natron ist Natriumhydrogencarbonat. Kaisernatron ist eine Marke dafür, sonst nichts. Waschsoda dagegen ist Natriumcarbonat, deutlich schärfer und nichts für bloße Hände. Backpulver ist wieder etwas Drittes.

Der Unterschied zwischen Natron und Waschsoda

Eine einzige Sache erklärt alles: wie scharf es ist.

  Natron Waschsoda
ChemischNatriumhydrogencarbonatNatriumcarbonat
Andere NamenKaisernatron, Speisenatron, Baking SodaSoda, Kristallsoda, Reine Soda
Wie scharfmildtausendmal schärfer
Handschuhenicht nötigja, und von den Augen fernhalten
Essbarja, in Lebensmittelqualitätnein, niemals
Gut gegenGerüche, leichtes Scheuern, Alltageingebranntes Fett, starke Verschmutzung, Fliesen

Der Unterschied klingt klein, ist aber riesig: Waschsoda ist etwa tausendmal schärfer als Natron. Das ist kein Unterschied im Grad, das ist ein anderes Produkt.

Und Backpulver?

In Backpulver steckt zwar Natron, aber zusätzlich eine Säure und Stärke. Die beiden heben sich in der Tüte schon teilweise gegenseitig auf. Zum Putzen bleibt wenig übrig, und pro Kilo zahlst du ein Vielfaches. Wenn ein Tipp Backpulver empfiehlt, ist meist Natron gemeint.

Und Kaisernatron?

Das ist eine Marke, kein eigener Stoff. In der Packung ist genau dasselbe Natriumhydrogencarbonat wie im no-name Beutel daneben, nur kostet es oft mehr.

Ein vierter Name gehört nicht in diese Reihe: Natronlauge. Das ist Natriumhydroxid, es verätzt die Haut in Sekunden und hat unter der Spüle nichts verloren. Steht in einem Rezept nur "Soda" ohne nähere Angabe, rate nicht.

Fünf Aufgaben, bei denen Waschsoda wirklich besser ist

Immer aus demselben Grund: Fett.

  1. Dunstabzugshaube und Kochfeld. Ein Esslöffel auf einen halben Liter heißes Wasser. Das Waschsoda macht aus Fett eine Art Seife, und die lässt sich mit Wasser abspülen. Das ist Chemie, kein Schrubben.
  2. Stark verschmutzte Arbeitskleidung. Ein Esslöffel mit in die Trommel, zusätzlich zum Waschmittel. Sinnvoll bei Garten-, Küchen- oder Werkstattkleidung.
  3. Fliesenböden, die kleben. Zwei Esslöffel in einen Eimer heißes Wasser. Nicht auf Laminat, Parkett, Linoleum, Marmor und Aluminium: das wird davon stumpf.
  4. Der kalte Backofen. Als dicke Paste, über Nacht einwirken lassen. Weniger aggressiv als Backofenspray und ohne Geruch, der bleibt.
  5. Mülleimer und Tonnen. Wo der Geruch von verrottendem Fett kommt, geht das Waschsoda an die Ursache statt sie zu überdecken.

Wogegen Waschsoda nichts ausrichtet: Kalk. Kalk und Soda ähneln sich chemisch zu sehr, deshalb greift Soda ihn nicht an. Dafür brauchst du eine Säure, dazu gleich mehr.

Ob du überhaupt einen Entkalker brauchst, steht auf deiner Wasserrechnung

Das steht in keinem Putztipp und spart am meisten.

In Deutschland ist die Wasserhärte gesetzlich in drei Bereiche eingeteilt: weich, mittel und hart. Dein Wasserversorger muss sie veröffentlichen, und sie steht auf der Jahresabrechnung oder auf der Website des Versorgers, meist in Grad deutscher Härte.

Das ändert die ganze Putzroutine. Bei weichem Wasser brauchst du Zitronensäure oder Essigreiniger fast nie, und der Belag in deiner Dusche ist dann meist Seifen- und Fettrest, also genau das, wofür Waschsoda da ist. Bei hartem Wasser ist es umgekehrt.

Auf jeder Waschmittelpackung steht die Dosierung nach diesen drei Bereichen. Die meisten Haushalte nehmen die mittlere Angabe, ohne je nachgesehen zu haben, in welchem Bereich sie wohnen. Fünf Minuten nachschlagen, und du weißt, welches dieser Mittel du überhaupt im Haus brauchst.

Die andere Seite: Zitronensäure und Essig

Zwei Säuren, und sie tun genau das Gegenteil der beiden Pulver von oben.

Natron und Waschsoda gehen an Fett. Zitronensäure und Essig gehen an Kalk. Zwei verschiedene Probleme, zwei verschiedene Antworten.

Zitronensäure gibt es als Pulver, sie lässt sich genau dosieren und riecht nach nichts. Ein Esslöffel auf einen halben Liter heißes Wasser entkalkt Wasserkocher, Kaffeemaschine oder Duschkopf. Von beiden ist sie die wirksamere.

Essig macht dasselbe, nur schwächer, und er riecht. Sein Vorteil ist, dass er ohnehin in der Küche steht. Sein Nachteil: mehrere Hausgerätehersteller, darunter Bosch und Siemens, raten vom wiederholten Einsatz in der Maschine ab, wegen der Gummidichtungen.

Die Regel in einem Satz

Fett gehst du mit Soda an. Kalk mit etwas Saurem.

Wenn du dir nur das merkst, greifst du in neun von zehn Fällen richtig.

Was du nie mischen solltest

Zwei Mischungen kursieren überall, und eine davon ist gefährlich.

Etwas Saures mit Soda: es schäumt und danach passiert nichts mehr. Essig und Natron zusammen geben eine schöne sprudelnde Reaktion, und das war es. Übrig bleibt ein gelöstes Salz in Wasser plus Kohlendioxid. Die beiden Wirkungen, die du wolltest, haben sich gegenseitig aufgehoben. Nimm das eine oder das andere, nie beides zusammen.

Säure mit Chlorreiniger: das ist wirklich gefährlich. Dabei entsteht Chlorgas, das Augen, Hals und Atemwege reizt. Das gilt für Essig, für Zitronensäure und auch für einen gekauften Entkalker. Es reicht schon, wenn beide kurz nacheinander in dieselbe Schüssel kommen. Ein Mittel auf einmal, und gründlich nachspülen, bevor das nächste drankommt.

Warum das Pulver auf halbem Weg stehen bleibt, und die Flasche auch

Ein Hausmittel bringt dich ein Stück weit. Die Flasche, zu der du danach greifst, läuft ins selbe Problem.

Auf leichtem Belag holt eine Sodalösung tatsächlich etwas herunter. Sitzt er schon lange, bleibt ein Rest, der nicht mitgeht, so geduldig du auch bist.

Der Reflex ist dann, zu etwas Stärkerem zu greifen. Das wirkt auch, aber es läuft ins Gleiche: eine Flüssigkeit bleibt an der Oberfläche. An einer schrägen Wand läuft sie ab, in eine Fuge kriecht sie hinein, ohne zu bleiben, in eine Faser kommt sie nicht tief genug. Deshalb musst du von vorn anfangen, und deshalb steht nach einem Jahr eine Reihe Flaschen unter der Spüle.

Wärme arbeitet andersherum. Dampf geht in das Material hinein statt darüber hinweg. Er weicht auf, was festsitzt, und lässt nichts zurück, das du danach abspülen müsstest. Leitungswasser, nur erhitzt, ohne Handschuhe und ohne Dosierung.

Und danach nimmst du trotzdem ein Tuch. Das ist der einzige Schritt, der in allen Fällen wiederkommt, beim Pulver genauso wie beim Dampf. Unsere findest du unter streifenfreie Reinigungstücher.

Wo du das bekommst und was es kostet

Eine Frage, die oft kommt, mit einer kurzen Antwort.

Natron und Waschsoda stehen bei dm und Rossmann sowie im Supermarkt, meist bei den Waschmitteln. Zitronensäure findest du manchmal beim Einkochzubehör statt bei den Putzmitteln. Rechne bei allen dreien mit wenigen Euro pro Kilo.

Zu dem Preis gibt es keinen Grund, sich das nicht hinzustellen. Es ist auch der Grund, warum wir sie nicht verkaufen: das sind Grundstoffe, die es überall gibt.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Natron und Waschsoda?

Es sind zwei verschiedene Salze. Natron heißt auch Natriumhydrogencarbonat und ist mild: das fasst du ohne Handschuhe an. Waschsoda heißt auch Natriumcarbonat, ist etwa tausendmal schärfer und reizt die Haut. Das erste ist für den Alltag, das zweite für eingebranntes Fett, mit Handschuhen.

Ist Kaisernatron etwas anderes als Natron?

Nein. Kaisernatron ist ein Markenname für genau denselben Stoff. Im Beutel steckt dasselbe Natriumhydrogencarbonat, nur kostet er oft mehr.

Was ist besser zum Reinigen, Natron oder Backpulver?

Natron. In Backpulver steckt zwar Natron, aber zusätzlich eine Säure und Stärke, die sich in der Tüte schon teilweise aufheben. Zum Putzen bleibt weniger übrig, und pro Kilo ist es deutlich teurer.

Wofür nimmt man Waschsoda?

Alles, was fettig ist: Dunstabzugshaube, Kochfeld, kalter Backofen, klebrige Fliesenböden, stark verschmutzte Arbeitskleidung, Mülleimer. Gegen Kalk hilft es nicht, dafür brauchst du eine Säure.

Warum schäumt es, wenn ich Natron und Essig mische?

Weil die beiden sich gegenseitig auffressen. Übrig bleibt Wasser mit etwas Salz darin und ein paar Blasen. Dieses Salz reinigt so gut wie nichts. Nimm also das eine oder das andere.

Ist Waschsoda gefährlich für die Haut?

Es reizt. Trag Handschuhe, halte es von den Augen fern und stell es nicht in Reichweite von Kindern. Essbar ist es nicht, anders als Natron in Lebensmittelqualität.

Auf welchen Oberflächen darf Waschsoda nicht verwendet werden?

Laminat, Parkett, Linoleum, Marmor und Aluminium. Diese Materialien werden vom Waschsoda stumpf. Im Zweifel erst an einer verdeckten Stelle testen.

Mein Waschsoda ist zu einem harten Klumpen geworden

Es hat Feuchtigkeit gezogen. Brich den Klumpen auf und löse ihn in heißem Wasser, der Stoff selbst ist noch in Ordnung. Bewahre ihn danach in einem dichten Glas statt in der Tüte auf.

Kann ich Waschsoda in der Waschmaschine verwenden?

Ja, ein Esslöffel in die Trommel zusätzlich zum Waschmittel, bei sehr schmutziger Wäsche oder hartem Wasser. Ein Waschmittel ist es nicht: Waschaktive Stoffe sind keine darin.

Was ist besser gegen Kalk, Zitronensäure oder Essig?

Zitronensäure. Sie ist stärker, lässt sich genauer dosieren und riecht nicht. Essig hast du nur häufiger ohnehin im Haus. Für wiederholten Einsatz im Gerät raten Bosch und Siemens von Essig ab, wegen der Gummidichtungen.

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